Im ¾-Takt

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle eine gut recherchierte Geschichte der Knickerbocker schreiben. Über Ursprung und Abwandlungen, etc. Aber dann bin ich d’raufgekommen, dass eine Kollegin von mir das bereits erledigt hat – siehe Online-Artikel im Standard.  

Statt dessen gib es deshalb Tipps, wie man sich selbst eine solche „Kniebundhose“ nähen kann. Sie kommen von Isa, die sich mit ihrem Label G’wandleichen auf die Umgestaltung von Kleidungsstücken spezialisiert hat, um ihnen neues Leben einzuhauchen.

Man nehme eine alte Hose, die vielleicht unten bereits abgewetzt oder zu kurz geraten ist – oder aber auch eine Glockenhosen-Modesünde darstellt. Dann steckt man die Länge ab und zwar so, dass die Hose später abgewinkelt noch unters Knie reicht. So verhindert man, dass beim Radfahren der Abschlussbund ständig übers Knie hochrutscht und scheuert.

Wichtig für’s Radfahren ist auch, die untere Beinweite in ein bis zwei Falten zu legen, „um die Bewegungsfreiheit zu erhalten“, rät Isa. Außerdem braucht man an der Seite einen Schlitz von ca. 5cm, den durch auftrennen und verriegeln der Seitennaht erhält.

Der Bund wird aus dem abgeschnittenen Reststoff zugeschnitten und aufgenäht. Die Länge des Bundes ist so zu bemessen, dass sie die obere Wade umschließt plus 8 bis 10 cm dazu, damit man diese Mehrlänge in eine Schnalle einfädeln kann. Die Schnallen erhält man laut Isa am besten in alten Knopfgeschäften wie dem Knopfkönig. Oder aber man findet sie am Flohmarkt – dort kann man übrigens öfter auch Knickerbocker finden oder alte Hosen, die man zu solchen ummodeln (lassen) kann. Alternativ kann der Schlitz am unteren Bein natürlich auch durch mit einer Schnürung versehen werden.

Radfahrplan Wien 1897

Wo der Kaiser und sein Militärstab untergebracht waren, war das Radfahren “unbedingt und zu jeder Tages- und Nachtzeit” verboten. Nachzulesen in den “Radfahrvorschriften von N.-Oest. (mit Einschluss von Wien)” gültig ab 1. Mai 1897.

Die Broschüre samt Plan ist einer der historischen Schätze, die die Wienbibliothek gratis online unter www.digital.wienbibliothek.at zur Verfügung stellt.

Von Nummerntafeln für Zweiräder war man abgekommen, dafür gab es im zunehmenden Verkehr neue Benimmregeln und Verbote (siehe Karte): Das Befahren der Prater Hauptallee war untersagt, beim Überqueren war zu Schieben.

Die vorgeschriebene “laut tönende Glocke” mussten Radler beim Abbiegen und auf Kreuzungen einsetzen – eine Maßnahme, die im heutigen Verkehrslärm wohl sinnlos wäre.

Schnellfahren, also schneller als ein Pferd “im frischen Trab” (ca. 20 km/h), und Wettfahrten waren verboten. 

Dieser Text ist ursprünglich in der August-Ausgabe des Geschichtsfeuilletons der “Wiener Zeitung” erschienen (Freitag, 1. August 2014).