Zuviele sind nicht genug!

Vienna Tweed Rides 2014 plus Two

Get Your Tweed Tunes
Unser Saisonauftakt findet jedes Jahr (zumindest seit 2013) jeweils am letzten Sonntag im April statt: der Vienna Tweed Ride “Get Your Tweed Tunes”, dieses Jahr am 27. April. Auf der Suche nach einem besonders schönen Ort, der zum Frühling und unserer guten Laune passt, sind wir auf eine historische Parkanlage im Herzen Wiens gestoßen: den Burggarten, eigentlich ein Garten der Gärtner. Er war ursprünglich der Privatgarten von Kaiser Franz (der ja ausgebildeter Gärtner war). Zum Glück ist der Burggarten seit 1919 öffentlich zugänglich. Wir versammelten uns auf der Terrasse vor der Neuen Burg (unter uns der Tiefspeicher der Nationalbibliothek) und erfrischten uns mit Espresso vom Caferad vor der Abfahrt. Das Wetter war phantastisch und unsere edlen Kleider und schönen Räder verwandelten die Wiener Innenstadt nach dem langen Winter in ein mondänes Stadtzentrum, begleitet von beschwingter Musik – das ist Frühling!

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3. Wiener Fahrrad Picknick und Vienna Tweed Ride
Der 22. Juni war ein überaus sonniger, warmer, wenngleich nicht allzu heißer Tag. Und das war sehr gut so! Denn viele von uns radelten nicht nur beim Vienna Tweed Ride vom Rathaus in die Freudenau (es waren ziemlich genau 130 edle und wunderschöne Radler).
Danach fand auch die Österreich-Austragung der Brompton World Championship statt. Bei der ist nicht nur Renntempo über eine Distanz von 10 km gefragt, sondern auch die Einhatung des Dresscodes. Vorgeschrieben sind Jackett, Hemd und Krawatte (ich blieb allerdings bei der Knickerbocker, auch wenn es für Beinkleidung keine Vorschriften gibt). Es war meine erste Brompton-Konkurrenz, mein Ehrgeiz war der letzte Platz. Während des Rennens (und an aussichtsloser Stelle) packte mich jedoch das Rennfieber, was mir schließlich den mediokeren Platz 49 einbrachte. Seither sehe ich mein Brompton mit anderen Augen. Dieses praktische Rad mit seinen kleinen Laufrädern hat eine unglaublich wilde Seite, keine Frage.
In aller Stille feierten wir mit Scones von Kathrin und etwas Tee um Schlag 17:00 Uhr Tweed Ride Vienna’s zweiten Geburtstag unter Erwins Zeltdach.

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radku.lt Vienna Tweed Ride
Ziemlich spät im Jahr, am 19. Okt., doch punktgenau an den ersten wirklich schönen Wiener Herbsttagen fand der radku.lt Vienna Tweed Ride statt. Die Tour von der Inneren Hofburg zum WUK war kurz und hinterließ trotzdem einen intensiven Eindruck. Rund 130 wunderbar gekleidete Chaps and Chapettes zeigten sich auf Rädern die wirklich sehenswert waren. Danke! Vor allem dem Chap auf dem Hochrad müssen wir großen Respekt zollen, denn unsere verschlungenen Wege führten uns über fast jedes Kopfsteinpflaster das jemals in der Wiener Innenstadt verlegt wurde. Chapeau! Im April 1884, also vor 130 Jahren, startete übrigens der mutige Engländer Thomas Stevens mit seinem Hochrad, um einmal rund um die Welt zu fahren.
Besondere Freude hat neben dem herrlichen Essen von Rita bringt’s und den wunderbaren Cocktails von Rob the Hat vor allem die Lesung nach dem Ride gemacht. Gelesen wurde aus Büchern die im Covadonga Verlag erschienen sind. (Später mehr dazu)

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Plus Two: Tweed Rides in Österreich
Neben unseren traditionellen Vienna Tweed Rides gibt es nun endlich auch einen Tweed Ride in Linz und einen Tweed Ride in Melk. Beide Tweed Rides haben wir besucht und sind tief beeindruckt von der großartigen Stimmung und der tollen Organisation. Gratulation an die Organisatoren und allen Teilnehmern – und auf viele weitere Tweed Rides! Zu verlockend natürlich auch die Städte randonnierend zu verbinden. Bei Linz ist mir das leider nicht ganz gelungen, 190 km waren mir dann doch zu viele. Aber Barbara hat es tatsächlich mit ihrem roten Single Speed und den beiden karierten Packtaschen geschaft, eine unglaubliche Leistung!

All die großartigen Paraden könnten nicht halb so großartig sein, wenn nicht so viele beherzte und stilvolle RadlerInnen mitkommen würden. Aber ohne Marshals würde jede Ausfahrt ein unangenehmes Risiko beinhalten. Sicherheit ist uns ein ganz bespnderes Anliegen und wir sind froh, dass dieses Jahr, wir auch die Jahre zuvor, komplett unfallfrei geblieben ist. Das ist kein Zufall, daher möchten wir uns ganz besonders bei den ehrenamtlichen Marshals bedanken!

Informationen zu den kommenden Vienna Tweed Rides findet ihr auf der Kalender Seite, Presseberichte über vergangene Vienna Tweed Rides im Pressespiegel.

Alle auf die Räder – Tally ho!

Im ¾-Takt

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle eine gut recherchierte Geschichte der Knickerbocker schreiben. Über Ursprung und Abwandlungen, etc. Aber dann bin ich d’raufgekommen, dass eine Kollegin von mir das bereits erledigt hat – siehe Online-Artikel im Standard.  
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Statt dessen gib es deshalb Tipps, wie man sich selbst eine solche „Kniebundhose“ nähen kann. Sie kommen von Isa, die sich mit ihrem Label G’wandleichen auf die Umgestaltung von Kleidungsstücken spezialisiert hat, um ihnen neues Leben einzuhauchen.

Man nehme eine alte Hose, die vielleicht unten bereits abgewetzt oder zu kurz geraten ist – oder aber auch eine Glockenhosen-Modesünde darstellt. Dann steckt man die Länge ab und zwar so, dass die Hose später abgewinkelt noch unters Knie reicht. So verhindert man, dass beim Radfahren der Abschlussbund ständig übers Knie hochrutscht und scheuert.

Wichtig für’s Radfahren ist auch, die untere Beinweite in ein bis zwei Falten zu legen, „um die Bewegungsfreiheit zu erhalten“, rät Isa. Außerdem braucht man an der Seite einen Schlitz von ca. 5cm, den durch auftrennen und verriegeln der Seitennaht erhält.

Der Bund wird aus dem abgeschnittenen Reststoff zugeschnitten und aufgenäht. Die Länge des Bundes ist so zu bemessen, dass sie die obere Wade umschließt plus 8 bis 10 cm dazu, damit man diese Mehrlänge in eine Schnalle einfädeln kann. Die Schnallen erhält man laut Isa am besten in alten Knopfgeschäften wie dem Knopfkönig. Oder aber man findet sie am Flohmarkt – dort kann man übrigens öfter auch Knickerbocker finden oder alte Hosen, die man zu solchen ummodeln (lassen) kann. Alternativ kann der Schlitz am unteren Bein natürlich auch durch mit einer Schnürung versehen werden.

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Radfahrplan Wien 1897

Wo der Kaiser und sein Militärstab untergebracht waren, war das Radfahren “unbedingt und zu jeder Tages- und Nachtzeit” verboten. Nachzulesen in den “Radfahrvorschriften von N.-Oest. (mit Einschluss von Wien)” gültig ab 1. Mai 1897.

Die Broschüre samt Plan ist einer der historischen Schätze, die die Wienbibliothek gratis online unter www.digital.wienbibliothek.at zur Verfügung stellt.

Von Nummerntafeln für Zweiräder war man abgekommen, dafür gab es im zunehmenden Verkehr neue Benimmregeln und Verbote (siehe Karte): Das Befahren der Prater Hauptallee war untersagt, beim Überqueren war zu Schieben.

Die vorgeschriebene “laut tönende Glocke” mussten Radler beim Abbiegen und auf Kreuzungen einsetzen – eine Maßnahme, die im heutigen Verkehrslärm wohl sinnlos wäre.

Schnellfahren, also schneller als ein Pferd “im frischen Trab” (ca. 20 km/h), und Wettfahrten waren verboten. 

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Dieser Text ist ursprünglich in der August-Ausgabe des Geschichtsfeuilletons der “Wiener Zeitung” erschienen (Freitag, 1. August 2014).